Der Lausitzer Radsportverein Cottbus feierte 2010 den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte und sogar in der gesamten Cottbuser Radballgeschichte. Es begann mit dem noch nie erreichten 3. Platz in der 2. Bundesliga im Juni. Dann kam der überraschende Erfolg beim 1. Relegationsturnier im September mit der Qualifikation zum 2. Aufstiegsturnier. Das fand im Rahmen der Deutschen Hallenradsportmeisterschaften am 22.10.-23.10.2010 Hamburg-Harburg statt. Die ganz große Sensation, ein glatter Durchmarsch in die 1. Bundesliga, blieb den Cottbusern zwar verwehrt, aber Platz 5, toll mitgespielt und knappe Resultate verschafften den mitgereisten Fans in allen Spielen Gänsehautgefühle. Nach dem dritten Anlauf schafften Mario Bossan und Jan Pannach 2004 nach zwei Relegationsturnieren und hartem Kampf den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Im ersten Bundesligajahr der Staffel-Nord stand der Klassenerhalt mit Platz 9 unter den 12 Teams bis zum letzten Spiel des letzten Turniers auf Messers Schneide. In den folgenden Jahren belegten Bossan/Pannach Platz 7; 4; 5 und nun 3. Mit Platz 3 waren Bossan/Pannach erstmals für die erste Runde der zwei Relegationsstufen Richtung 1. Liga qualifiziert. Im hessischen Baunatal schafften Bossan/Pannach als Vertreter der Bundesliga-Staffel Nord mit ihrem ruhigen, couragierten Auftreten zur eigenen und zur Überraschung der unbekannten Gegnerschaft aus den Bundesliga-Staffeln Süd und Mitte den 2. Platz von 6 Mannschaften. Die kleine Sensation war perfekt, Mario Bossan und Jan Pannach soltten im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in Hamburg das zweite Aufstiegsturnier spielen. Auf dem gleichen Parkett mit gleicher Zuschauerkulisse wie die Deutschen Meister im Radball, Radpolo und Kunstradfahren kämpften Mario Bossan und Jan Pannach um eine weitere kleine Sensation, den großen Aufstieg. Die Sensation blieb aus. Es wurde Platz 5 statt 3. Aber möglich war alles. Dazu erklärte Mario Bossan kurz vor der Abreise nach Hamburg: „Wir freuen uns, in Hamburg dabei zu sein. Wir können unbeschwert aufspielen, haben nicht den Druck der drei Favoriten, sind aber hoch motiviert und gut vorbereitet. Die Tagesform wird entscheiden. Die Chancen stehen 50 zu 50 im zweifachen Sinn. Die ersten Drei von Sechs steigen auf! So oder so, es wird für uns ein tolles Erlebnis werden.“ Bossan/Pannach trafen in dem Turnier auf Mannschaften aus Oberesslingen, Denkendorf, Iserlohn, Stein und Mücheln. Favoriten waren eindeutig die jungen U-23-Europacupsieger aus Stein, die bereits im Vorjahr den Aufstieg knapp verpasst hatten. Weiter Topmannschaften sind Iserlohn und die jungen Oberesslinger, die bereits beide ein Jahr im Oberhaus spielten und erst im letzten Jahr abgestiegen waren und natürlich sofort wieder aufsteigen möchten. Die drei Teams standen am meisten unter Erfolgsdruck. Dagegen war für Denkendorf, Mücheln und vor allem für Cottbus die Teilnahme an diesem Relegationsfinale ein toller Erfolg, für Cottbus das Größte in der Vereinsgeschichte überhaupt. Im ersten Cottbuser Spiel stand Mücheln gegenüber auf dem Parkett, der Staffelsieger der 2. Bundesliga-Nord. Man kannte sich zu gut aus den vielen Punktspielen der letzten Jahre. Es wurde ein leistungsgerechtes 3:3, obwohl Cottbus zur Pause noch 2:3 zurück lag. Gegen Iserlohn gerieten Bossan/Pannach schnell in Rückstand, holten bis zum Seitenwechsel zum 2:2 auf. Nach dem 4:4 gelang Jan Pannach in letzter Minute noch ein sehenswertes Konter mit einem Fernschuss ins leere Tor und Cottbus gewann 5:4. Mit diesen 4 Punkten im Rücken sollte es locker weitergehen können, aber die späteren Sieger und ungeschlagenen Brüder Bernd und Gerhard Mlady aus Stein waren einfach besser. Nach einem schnellen 0:3-Rückstand bis zur Halbzeit gab es mit 0:7 Toren die deutlichste Niederlage des Tages. Die zwei entscheidenden Spiele gegen Oberesslingen und Denkendorf standen noch bevor. Bossan/ Pannach konnten die Oberesslinger mit schnellen Doppelpässen und scharfen Schüssen überraschen und gingen mit 2:0 in Führung. Mit einem Pfostenschuss und einmal knapp vorbei geschlenzt war sogar noch mehr drin, ehe die Oberesslinger sich einstellten, aufholten und tatsächlich in letzter Minute einen glücklichen 5:4-Sieg mitnahmen. Stein und Oberesslingen standen als Aufsteiger vor dem letzten Spiel der Cottbuser bereits fest. Nun war eins klar, der dritte Aufsteiger in die 1.Bundesliga ist der Sieger aus der Begegnung Cottbus - Denkendorf. Mücheln war raus und Iserlohn hatte nur noch eine theoretische Chance bei einem Remis in diesem Spiel. Denkendorf war man vor sechs Wochen in Baunatal mit 4:4 Toren auf Augenhöhe begegnet. Und es sollte erneut knapp werden. Die Begegnung lief in der ersten Hälfte für Cottbus alles andere als optimal. Jan traf mehrfach den Pfosten, weitere Schüsse gingen knapp am Tor vorbei, zwei unglückliche Torwartparaden von Mario, sowie ein bischen Glück der Denkendorfer bei der Chancenverwertung und so Stand es am Ende der 1.Halbzeit 0:3. Cottbus pielte  in der 2. Halbzeit konzentrierter und kämpferischer, kam somit kurz vor Spielende noch einmal auf den Anschlußtreffer zum 3:4 heran. In der letzten Minute setzten Bossan/Pannach alles auf eine Karte. Mario, der Torwart, ging auch mit in den Angriff und beide spielten ein Powerplay. Als Denkendorf schon regelwidrig auf Zeit zu spielen schien, rutschte ein Konter in das leere Cottbuser Tor zum 3:5 Endstand. Stein ist der souveräne Aufsteiger. Mitfavorit Oberesslingen folgt in die höchste Spielklasse. Die kleine Überraschung schafft Denkendorf. Trainer Lutz Pannach resümierte: „Natürlich bin ich im Moment etwas traurig. Es war alles drin. Unsere Jungs haben voll mitgespielt. Am Ende haben nur etwas Kraft und etwas Glück gefehlt. Es hat bisher kaum ein Team im ersten Anlauf geschafft.“

 

Mario sichert mit starker Parade in letzter Sekunde den 5:4-Sieg gegen Iserlohn

 


Tabelle des Aufstiegs     Punkte   Tore

1  RMC Stein                 13      29 : 16
2  RC Oberesslingen       12      25 : 12
3  RKV Denkendorf         9      19 : 20
4  RC Iserlohn                 4      20 : 25
5  LRV Cottbus               4      15 : 24
6  VfH Mücheln               1      17 : 28